www.karden.pg-treis-karden.de
Ausstattung der Stiftskirche St. Castor, Karden
Das Kircheninnere der Stiftskirche Karden entspricht in seiner Ausmalung den Farben
und Ornamenten der Bauzeit. Spätromanische und frühgotische Raumteile fügen sich
zu einer optischen Einheit zusammen.
Hl. Potentinus, Gefährte des hl. Castor
Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.
Dreikönigsaltar
Das Terrakottaretabel, der Hochaltar zu Ehren der Heiligen Drei Könige ist ein Kunstwerk
ersten Ranges. Sicherlich aus heimischen Ton gebrannt, der in römischer Zeit im Vicus
Cardena, im ehemaligen Töpferdorf Karden, seine Verwendung fand. Mit einer Höhe von
1,58 Meter, einer Breite von 2,74 Meter und mit einer Tiefe von 66 Zentimeter, ist
er der größte der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Altäre mit Tonplastik in Deutschland.
„Der wahre Weinstock“
Als versteckte Kostbarkeit hängt in der Kirche St. Castor zu Karden ein Gemälde mit
dem Thema Christus am Kreuz, als mystischer Weinstock, aus dem 17. Jahrhundert.,
welches Jahrzehnte auf dem Kirchenspeicher ein Schattendasein führte und 1956 „wieder
entdeckt“ wurde.
Das Bild nimmt einen großen gotisierenden Kruzifixus ein, von dem ein Spruchband ausgeht: „( ICH )BIN DER WAHRE WEINSTOCK UND MEIN VATTER IST DER ACKERMANN UND IR SEIDT DIE WEINREBEN; BLEIBT IR IN MIR; SO BRENGT IR VIL FRU(HT)“ Rechts und links, ausgehend vom Kreuz, gehen zwei übergroße Weinranken ab. Darin sind in allegorischer Darstellung in
farbigen Bildern, halbfigurig die zwölf Apostel in lebhafter Gebärde, mit ihren Attributen zu sehen. Neben dem Kreuzstamm stehen im roten Mantel Gottvater, grabend, mit einem Karst in Händen, rechts die Gottesmutter Maria im blauen Gewand, aus einer Kanne gießend. Links sind der hl. Franziskus und die hl. Klara, rechts der hl. Dominikus und die hl. Gertrud von Nivelles dargestellt. Hinter den Figuren Gottvaters und Mariens schwebt ein Spruchband: „ DER VATTER MACHT LEBE(N)DICH; MARIA MACHT FRUCHTBAR“. (kjz) ©
Quelle: Wackenroder Ernst: Die Kunstdenkmäler der Landkreises Cochem, Deutscher Kunstverlag /Nachdruck 1984
Barockkanzel
Mit der Auflösung des Kollegiatstifts St. Castoris in Cardona, kam mit der Säkularisation
die einst sicherlich wertvolle Kanzel der Stiftskirche unter den Hammer. So entschloss
man sich, für die kunstvolle Kardener Kirche eine fremde Kanzel zu erwerben. Aber
die Kanzel aus der Zeit der Neugotik war zu stillos und wirkte wie ein Fremdkörper.
Per Zufall erfuhr der damalige Pfarrherr von St. Castor, Dechant Brühl, dass die
Pfarrei Dahnen in der hohen Eifel, an der luxemburgischen Grenze gelegen, ihre Barockkanzel
verkaufen wollte. Im Zweiten Weltkrieg wurde Dahnen vernichtet, die Kirche stand
nur noch in Resten und die Barockkanzel lag unter dem Trümmerschutt. Es wurde eine
neue Kirche gebaut und die alte Kanzel passte nicht mehr. So konnte die katholische
Pfarrgemeinde Karden sie für ihre Stiftskirche erwerben. Es war aber noch viel zu
tun. In langer Arbeit hatte Carl Port aus Münstermaifeld ein ganzes Jahr an der Restaurierung
zugebracht, bis sie endlich in der Kirche stand.
Die Kanzel von 1713 steht nun seit 1957 in der über 800-jährigen alten Stiftskirche
zu Karden. Besonders wohltuend ist die Farbgebung. Über die Kanzelbrüstung sind Engelköpfe
geschnitzt. Reiches Schnitzwerk umgibt den Körper und die Treppenwand. Die Evangelistenfiguren
sind in den Formen des Hochbarocks geschaffen, dagegen ist die Figur des Stützengels
im grobem Bauernbarock gefertigt. Die einst zu der Kanzel gehörigen alten Barockfiguren
sind verloren gegangen. Etwa um 1910 hatte man moderne Barockfiguren schnitzen lassen
und diese als Ersatz an der Kanzel angebracht. Diese Figuren wurden in den letzten
Kriegstagen stark beschädigt. Dechant Wilhelm Rodermann einstiger Pfarrherr von St.
Castor ließ nach den alten Plastiken Ersatzfiguren gießen und diese farbig fassen.
Die Kanzel steht heute in alter Pracht, wenn auch von ihr aus nur noch selten das
Wort Gottes verkündet wird. Dennoch bezeugt sie nach fast 300 Jahren mit Weltkugel
und Triumphkreuz auf ihrem Schalldeckel die Botschaft: „Christus, der Gekreuzigte
ist auferstanden“. (kjz) ©
Nach oben
Stephanusaltar
Die Kardener Stiftsherren des einstigen Kollegiatstifts Sankt Castoris hatten zur
Weihnachtsgeschichte einen starken Bezug. Schon der Dreikönigsaltarschrein aus Terrakotta
im Chorraum, eine moselländische Kostbarkeit, gibt davon Zeugnis. Beim Betreten der
Kirche fällt der Blick zuerst auf den „Stephanusaltar“ im südlichem Seitenschiff.

Hier hat ein Meister der Bildhauerkunst, der vielleicht der Trierer Hoffmannsschule
zuzugeordnet ist, ein weihnachtliches Relief unter dem Hauptbild des Renaissance-Altarüberbaues
aus dem Jahre 1628 in den Formen des Frühbarocks geschaffen. Der Altar selbst wurde
schon 1295 durch Bischof Emmanuel von Cremona zu Ehren des Erzmärtyrers Stephanus,
der als Diakon durch Steinigung um 40 nach Christus als erster Märtyrer und Blutzeuge
der Christenheit sein Leben ließ, geweiht. Das Namensfest des Heiligen, dessen Tod
am zweiten Weihnachtstag gefeiert wird, ist so alt wie das Weihnachtsfest in der
römischen Kirche selbst. So steht die dargestellte Märtyrerszene, die das Mittelfeld
des Altaraufbaues dominiert, im
krassen Gegensatz zur Weihnachtsgeschichte. Mit der Anbetung der Hirten, denen zuerst
das Weihnachtsgeheimnis offenbart wurde, schuf der unbekannte Meister eine in Tuffstein
geschlagene „Heilige Nacht“. Zwei Brüder, die als Dekan und Scholaster (Lehrer) dem
Herrenstift vorstanden, stifteten diesen Altaraufbau. Eine Grabplatte in der Kirche
zeugt heute noch davon, dass Johann Mertloch von Boppard nach 23 Dekanjahren in die
Ewigkeit einging. Sein Bruder Caspar Mertloch stand 38 Jahren als Scholaster der
Stiftsschule vor und starb am 21. August 1676. Seine Grabplatte ist ebenfalls in
der Castorkirche vorhanden. (kjz) ©
Nach oben

Johannesaltar
Als der ehrwürdige Dekan des Kardener Herrenstifts Eberhard Escher am 31. März 1629
in die Ewigkeit einging, hatte er zuvor durch Testament verfügt, dass seine Erben
aus seinem Nachlassvermögen Mittel für einen neuen Altaraufbau des „Johannesaltares“
in der Stiftskirche bereitstellen sollten. So bestellten die Testamentsvollstrecker
mit den Erben ein in Kalkstein geschlagenes Retabel. Für den Altar nahm der unbekannte
Meister, der wohl schon das Relief für den „Stephanus Altar“ geschaffen hatte, das
Thema der Auferstehung. So schuf er im Hauptbild die Szene der Auferstehung Christi
am Ostermorgen: „Ein in Stein geschlagenes Halleluja“.
Somit grüßt seit etwa 1630 bis in die heutige Zeit der „Johannesaltar“ im nördlichen
Seitenschiff mit der Osterbotschaft: „Ich bin auferstanden“.
Der dem Evangelist Johannes geweihte Altar zeigt im Mittelrelief den Stifter. Mit
erhobenen Haupt und mit einer Gebetsschnur in Händen wirkt er wie ein Augenzeuge
der Auferstehung. Dekan Escher war insgesamt 41 Jahre Kanoniker im Stift. Als Scholaster
stand er der Stiftsschule vor und drei Jahre lang übte er das Amt des Dekans aus.
Ob er seinen Erben klar und deutlich seinen Willen zum Ausdruck gebracht hatte, kann
nur vermutet werden. Auffällig ist, dass das Hauptrelief nicht dem Patron des Altares
gewidmet ist, sondern der Auferstehung Christi. Die Figuren von Johannes dem Evangelisten
und Johannes dem Täufer sind in Seitennischen untergebracht. Im weiteren Aufbau des
Retabels wird ein Relief mit Johannes dem Evangelisten als der heilige Schriftsteller
auf Patmos dargestellt, der die Vision von der apokalyptischen Frau, dem großen Zeichen
am Himmel und der himmlischen Stadt Jerusalem niederschreibt. Ein Adler mit einem
Tintenfass im Schnabel ist ihm zu Diensten.(kjz) ©
Quellen: Wackenroder, Ernst: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem, Deutscher
Kunstverlag ?Nachdruck 1984
Pauly, Ferdinand: Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, De Gruyter,Berlin
1986
Ronig, Franz: Die Auferstehung Christi vom Johannes Altar der St. Kastor-Kirche in
Karden
Zimmermann, Karl Josef: Resurrexi – Ich bin Auferstanden Rhein-Zeitung Nr. 75 Ostern
2002 und Nach Betlehem eilen und schauen Rhein-Zeitung Nr. 300 Weihnachten 2004 und
Stiftungen im Kardener Dom, Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2009
Nach oben

Grablegung Christi
Der Bannkreis des Geschehens um die Leidensgeschichte Christi wird immer auch ein
Hauptthema der christlichen Kunst bleiben. So birgt auch die ehemalige Stiftskirche
St. Castor zu Karden unter ihren zahlreichen Kunstschätzen eine Skulptur der Grablegung
Christi: “Das heilige Grab“ aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Grablegung
im nördlichen Seitenschiff mit lebensgroßen Figuren (drei davon halbfigürlich) ist
ein Meisterwerk der sakralen Kunst.
Das Kunstwerk aus feinem grauen Tuffstein wurde 1956 von einem bunten Ölfarbanstrich
befreit und erhielt eine neue Farbgebung in leichter Tönung. An der Frontseite des
Grabes zwischen zwei geflügelten Engelsköpfen sieht man das Schweißtuch der Veronika
mit dem dornengekrönten Christushaupt.
Der tote Christus wird von Nikodemus, dem jüdischen Schriftgelehrten und von Josef
von Arimathaia, einem Mitglied des jüdischen Hohen Rates ins Grab gelegt. Im Hintergrund
stehen Maria, Johannes und die drei Frauen mit ihren Spezereiengefäßen. Oft wird
die Darstellung der Grablegung Christi mit den sieben Begleitfiguren mit der heute
nicht mehr vorhandenen Nachbildung des heiligen Grabes aus Jerusalem in St. Castor
verwechselt, die Johann von Vinstingen um 1500 als Probst des Kollegiatstiftes Sankt
Castoris zu Cardona nach einer Pilgerreise nach Jerusalem hat anfertigen lassen.
(kjz) ©
Quellen: Wackenroder, Ernst: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem. Deutscher
Kunstverlag/ Nachdruck 1984
Zimmermann Karl Jos. : Castor-Dom birgt Kunstschatz, Rhein-Zeitung Nr. 85 Ostern
2004
Nach oben
Da galt es die Stiftskirche zu retten. Die Kardener sannen sich eine List aus.Während
eines Tanzfestes, zu dem die französischen Besatzungstruppen, die in Karden ihr Quartier
aufgeschlagen hatten, geladen waren, sollte der Taufstein von Liebfrauen nach St.
Castor transportiert werden. Das Fest, für das noch einen Zulast Wein (zirka 480
Liter) aus der Gemeindekasse bezahlt wurde, nahm seinen fröhlichen Verlauf und die
Frauen und Mädchen feierten mit den Besatzungssoldaten bis in die späte Nacht. Auf
ein heimlich angesprochenes Zeichen schlichen beherzte Kardener Männer von der Festwiese
zur Liebfrauenkirche. Auf Rundhölzern rollend, im Kerzenschein der Laternen, schafften
sie den schwergewichtigen Taufstein nach St. Castor. Dabei gingen von den sechs Säulenfüßen
einige zu Bruch. Anwesende Bauleute und Maurer fanden eine Lösung. In größter Eile
rissen sie aus den Blendarkaden im Langhaus, aus dem Mittelschiff der Stiftskirche,
die Säulchen raus und verwendeten diese als Ersatzstützen für den Taufstein, wie
man es heute noch sehen kann. Das Tanzfest ging bis zum Morgengrauen. Der Taufstein
stand im „Dom“, als hätte er immer dort gestanden. Am nächsten Tag verfügte die Kommission:
„St. Castorkirche ist die Hauptkirche von Karden“. Der „Kardener Dom“, wie er liebevoll
von der Bevölkerung genannt wird, war gerettet. Die Liebfrauenkirche wurde abgebrochen
(bis auf den Turm).
Die Geschichte um den Taufstein soll eine schöne Erfindung des hochverdienten Lehrers
Aloys Frölich sein und soll im Widerspruch zur Rechtsstellung der Stiftskirche als
Taufkirche aus alten Visitationsberichten stehen. Die Nachrichten mit konkreten Einzelheiten
über diesen Rechtszustand stammen nach Professor F. Pauly zwar erst aus dem 17. u.18.
Jahrhundert, können aber ohne Zweifel als Zeugnisse für ältere Rechtsverhältnisse
angesehen werden, so dass die Stiftskirche mit ihrer obliegenden Seelsorgeverpflichtung
schon als Taufkirche fungierte. Ob nun historische Wahrheit oder Dichtung, mit dieser
Story hat sich A. Frölich unvergesslich gemacht. Wie und wann der spätromanische
Taufstein mit dem hohen Messingdeckel in dem „Kardener Dom“ seinen Platz erhalten
hat, kann heute keiner mehr genau nachvollziehen. Jedoch jedem, der die schönen Knospenkapitelle
sieht, die umgekehrt als Säulenfüße für den Taufstein verwendet wurden, fällt auf,
hier muss etwas besonders passiert sein. (kjz) ©
Quellen: Wackenroder, Ernst: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem, Deutscher
Kunstverlag/ Nachdruck 1984
Pauly, Ferdinand: Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, De Gruyter Berlin
1986
Zimmermann, Karl Jos. : Listige Kardner düpierten die Franzosen , Rhein-Zeitung
Nr. 59 v.11.03.2003



Barockorgel von 1728 erbaut von Johann Michael Stumm.
Spätromanischer Taufstein
Tonnenschwer steht im Erdgeschoss des Westturmes aus Basaltlava gefertigt von 102
Zentimeter Höhe mit einem gegossenen Bleibecken von 30 Zentimter Tiefe und 77 Zentimeter
Durchmesser, der spätromanische Taufstein, um den sich eine sagenumwobene Geschichte
spinnt.
Es war um 1800, zurzeit der französischen Revolution. Das Kollegiatstift St. Castoris
in Cardona war in Auflösung. Alle klerikalen Strukturen standen auf dem Kopf. Die
Franzosen verfügten kurzer Hand per Edikt: Dort, wo der Taufstein steht, soll auch
die Hauptpfarrkirche sein. Da die Stiftskirche getrennt vom übrigen Karden ihren
Standplatz hatte und nicht die Pfarrkirche von Karden war und in ihr nicht der Taufstein
gestanden habe, sollte der schöne „Kardener Dom“ niedergelegt werden. Nun stand aber
der Taufstein am Südwestende des Ortes in der Liebfrauenkirche, die sich in einem
baufälligen Zustand befand.
Wandtabernakel
Mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges ließen die Kardener Stiftsherren
in ihrer Kirche einen Wandtabernakel in einer Sakramentsnische einer alten Pfeilervorlage
der nördlichen Chorwand einbauen. Ob das alte Tabernakel durch Ausplünderung oder
Zerstörung in den Kriegsereignissen zu Schaden kam, vermag keiner mehr zu sagen.
Aufzeichnungen über das alte Tabernakel der Stiftskirche St. Castor liegen heute
nicht mehr vor.
Trotz unruhiger Zeiten ließ das Stift 1634 ein völlig neues Wandtabernakel bauen,
dass seit dieser Zeit in Benutzung ist und somit bis heute seinen sakralen Dienst
erfüllt und ungebrochene Beachtung bei den Kunsthistorikern findet. Wie die Inschrift
auf der Sockelkartusche kundtut, wurde das Tabernakel von dem Kanoniker Johann Gemer,
der als junger Student durch die Präsentation Wilhelm von Winneburg bei Cochem ein
frei gewordenes Adelskanonikat im Herrenstift zu Karden erhielt, gestiftet. Der Nachwelt
ist überliefert, dass das 2,26 Meter hohe und 1,25 Meter breite Tabernakel, welches
in einer flachen Architektur angelegt ist, nur mit besonderer päpstlicher Erlaubnis
gebaut werden konnte.
Ausstattung der Stiftskirche St. Castor, Karden
Reliquienschrein des heiligen Castor
Unter den zahlreichen Kunstschätzen, die die Kardener Stiftskirche birgt, reiht sich
auch der aus Tannenholz geschnitzte gotische Castorschrein aus dem 15. Jahrhundert
ein. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt der Reliquienschrein eine stylgerechte
Wiederherstellung. Geschützt in einer eisengeschmiedeten Tumba, die von dem Schmiedemeister
Felix Vallendar in Karden 1954 gefertigt wurde, steht der Schrein in einer romanischen
Seitenkapelle, im nördlichen Chorflankenturm. Auf dem Satteldach des Schreins mit
eiserner Kammbekrönung sind die Symbole der Evangelisten in Ranken, durch Spruchbänder
bezeichnet, aufgemalt. Auf den freien Flächen der Längsseiten, unter Dreipässen auf
goldfarbigen Hintergrund, sind je drei Apostelfiguren in Temperamalerei zu sehen,
die einer niederrheinische Malerschule zugeordnet werden.
Um den Reliquienschrein stehen im Castorkapellchen Gedenkleuchter der in Karden geborenen
Priester und Ordensleute. Die Kerzen der Leuchter sollen symbolisch brennen, um „Das
Licht des Glaubens leuchten zu lassen„ und gleichzeitig das Andenken an den heiligen
Castor nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. (kjz) ©
Quellen: Wackenroder, Ernst: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem, Deutscher
Kunstverlag/Nachdruck 1984
Bistumszeitung Nr. 8 10.02.1963: : An der Seine und an der Mosel; Hennes, Oswald:
Stolz auf St. Castors Reliquien, Rhein-Zeitung Nr. 35 v.11.02.2000 ; Zimmermann
Karl Jos. : Kardener tragen ihren Patron Castor, Rhein-Zeitung Nr. 24 v.28.1.2006
Nach oben
Am Festtag des heiligen Castor, am 13. Februar, wird in einer feierlichen Prozession
in der Stiftskirche der Schrein mit den Reliquien des Heiligen, auf männlichen Schultern,
durch die Reihen der Gläubigen getragen. Eine Notiz von 1790 berichtet, dass die
Kirchgänger einst am Castorfest, mit gebeugtem Haupt unter dem hochgehaltenen Schrein
gingen. Es wurde somit unter den „Kasten geschlupft“. Diese Art der Heiligenverehrung
fand im Laufe der Zeit keine Zustimmung der kirchlichen Obrigkeit und wurde untersagt.
Leider enthält der Schrein heute nur noch wenige kleine Teile der Reliquien des Heiligen.
Als im Jahre 838, Erzbischof Hetti und Kaiser Ludwig der Fromme eine St. Castorkirche
in Koblenz erbaut hatten ,wurden größere Teile der Castorreliquien, sowie auch sein
Haupt von Karden nach Koblenz gebracht. Unter den verbliebenen Teilen in Karden,
wird ein Arm des Heiligen erwähnt. Für diesen Arm wurde der Kardener Schrein geschaffen.
So erhielt im Jahre 1776, aus einem silbernen Armreliquiar der Kardener Stiftskirche,
die frühere Filialkirche St. Castor zu Forst in der Eifel einen Reliquienpartikel.
Zwei Jahre später unterschreibt Greorgius Becker, der Hüter der Reliquien des Kardener
Herrenstiftes, eine Urkunde, die bekannt gibt, dass ein Teilchen der Armreliquien
der Castorkirche in Weiler bei Mayen geschenkt worden ist. In den Wirren der Französischen
Revolution wurden die Reliquien sicherlich entfernt, so dass der Reliquienschrein
beim Eintreffen der Revolutionstruppen in Karden leer war. Es wird angenommen, dass
die Stiftsherren die Armreliquie, die bis heute nicht gefunden wurde, vor Plünderung
gut versteckt haben. Viele Wandnischen wurden nach Aussagen des ehemaligen Pfarrherrn
Dechant Franz Brühl bei der Ausmalung der Kirche abgeklopft und geöffnet, aber nirgendwo
gab es eine Spur von den Reliquien. Anfang des 19. Jahrhunderts bekam die Kardener
Pfarrei drei kleine Teile der Castorreliquie von Koblenz zurückgeschenkt, die nun
in einem kleineren, gefertigten Holzschrein ruhen und im großen Schrein untergebracht
sind.
Die geschnitzten Figuren der Kielbogenflächen stellen sich in einer derben und in
einer gedrungenen Form dar. Auf der Vorderseite des Schreins sieht man im Hochrelief
die Gottesmutter Maria mit Kind, auf der Rückseite, thronend und segnend Christus,
an welcher Stelle sich die Tür mit einem gotischen Schloss befindet. Hier soll sicherlich
an sein Wort erinnert werden: „Ich bin die Tür“.
Seitlich befinden sich in figürlicher Darstellung der Apostelfürst Petrus und der
Kardener Pfarrpatron St. Castor mit der Stiftskirche und mit einem Palmzweig ,als
Kennzeichen des Sieges und ewigen Lebens in Händen.
In alttestamentarischer Parallele flankieren neben den Marmorsäulen links und rechts,
aus Kalkstein gefertigt, als Assistenfiguren auf Podesten, zwei farbig gefasste Priestergestalten:
Melchisedek mit drei Broten und einer Weinkanne in Händen, sowie Aron mit einem Räucherfass.
Über der rundbogigen Tür, in ornamentenhafter, strahlenförmiger Verzierung bemalt,
wird in einem Hochrelief die Darstellung des letzten Abendmahles mit der Überschrift:
„Ecce panis angelorum“ (Seht das Brot, die Engelsspeise) präsentiert. Den Abschluss
des wunderschönen Sakramentshauses bildet die Bekrönung mit dem Wappenschild des
Stifters, über das zwei kniende Engel eine Monstranz in Händen halten.

Die Hausmarke der Sippe Gemer, zwei gekreuzte Pfeile mit Spitze nach unten, ist auch
auf einer Grabplatte mit zwei Namensmonogrammen in dereinstiger Stiftskirche zu finden.
Der Stifter selbst, der 36 Jahre das Amt des Kantors im Herrenstift begleitete und
im Immunitätsbereich des Stiftes seit 1615 ein eignes Haus bewohnte, starb am 7.
Oktober 1670 als Jubilarpriester und Senior des Kapitels und fand in der Stiftskirche
seine letzte Ruhestätte.(kjz) ©
Quelle: Wackenroder, Ernst: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem, Deutscher
Kunstverlag München/Nachdruck 1984
Pauly, Ferdinand: Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, De Gruyter Berlin
1986 NF 19
Zimmermann, Karl Jos.: Stiftungen im Kardener Dom, Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2009
Seite 21 und Meisterwerk der sakralen Kunst, Rhein-Zeitung Nr.179 v. 06.08.2004
Rechts neben dem Chorraum ist eine Marienstatur mit Kind.
In meisterlicher Darstellung zeigt die Figurengruppe die Huldigung der Weisen aus
dem Morgenland, die dem Kinde von Bethlehem Gold, Weihrauch und Myrrhe schenken.
Besonders ungewöhnlich für eine Anbetungsszene der Heiligen Drei Könige sind die
sonst nicht üblichen Begleitfiguren der Apostel Petrus und Paulus.
Die Gründe und Umstände der Entstehung des Retabels aus der ersten Hälfte des 15.
Jahrhunderts liegen leider im Schatten der Vergangenheit. Weder schriftliche Dokumente,
noch Inschriften geben erhellende Auskunft.
In einer Magisterarbeit von Claudia Hermes aus Rheinbach wird zur theologischen Konzeption
des Kardener Dreikönigsaltar der große abendländische Denker Nikolaus von Kues in
Betracht gezogen, der in seiner Biographie als Theologe, Philosoph, Rechtsgelehrter,
Naturwissenschaftler, Kurienkardinal, Bischof von Brixen und später als Generalvikar
der Stadt Rom genannt wird.
Für die Thematik des Hochaltarretabels sucht sie eine Erklärung mit der Begründung:
„Dass eventuell Nikolaus von Kues als bedeutender Theologe und einer der ersten deutschen
Humanisten, Einfluss auf die theologische Gestaltung des Altars genommen haben könnte.“
Durch seinen Aufenthalt bei seinen theologischem Studium in Köln, findet Hermes in
Bezug auf die Kölner Dreikönigsverehrung einen möglichen Zusammenhang. Zudem war
Nikolaus von Kues 16 Jahre ( 1430-1446), mit den Pfründen eines Kanonikats ausgestattet,
Stiftsherr im Kollegiatstift Sankt Castoris in Cardona, im heutigen Karden. Auch
gab es darüber hinaus Kölner Kleriker, die im Herrenstift zu Karden ein Amt inne
hatten. So liegt nahe, dass die Dreikönigsverehrung in der Stiftskirche auch von
diesen gefördert wurde. Es kann auch vermutet werden, das Nikolaus von Kues Anregungen
für die Konzeption des während seiner Amtszeit in Karden entstanden Retabels gegeben
hat. Der Bürgersohn aus dem Moselland hat somit vielleicht durch seine Mitförderung
ein sichtbares Erbe bis in die heutige Zeit auch im „ Kardener Dom“ hinterlassen.
(kjz) ©
Quellen: Hermes, Claudia: Das Terrakotta Retabel in der Kirche St.Castor in Karden
an der Mosel, Sonderdruck Aachner Kunstblätter
Weitere Quellen: Pauly, Ferdinand: Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, DeGruyter
Berlin 1986 und Gestrich, Helmut: Nikolaus von Kues 1401-1464, Verlag Hermann Schmidt
Mainz 1993 und Zimmermann Karl Josef: Nikolaus von Kues war einst Kardener Stiftsherr,
In Heimat-Beilage der Rhein-Zeitung Nr. 7/2001 und Nikolaus von Kues war 16 Jahre
Kardener Stiftsherr: Von Häckedetz und Stiftshere Band 2007 Seite 171
Nach oben
Pfarrkirche Karden