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Renovierung des St. Castor Doms von Juli 1965 bis Weihnachten 1970

Bilder und Notizen aus der Kirchenchronik Festgehalten von Pfarrer Brühl

Im Juli 1965 musste die Castor Kirche wegen der notwendigen Sicherungsarbeiten an den Fundamenten ausgeräumt werden. Erst siebeneinhalb Jahre später, am 12. Februar 1973, wurde die Tonfigur des heiligen Castor in die Nische der Stele des Hochaltars gestellt.

Mit der Orgelweihe am 18. März 1973 waren die Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen abgeschlossen. Das war vor 40 Jahren.

Dieses Jubiläum feierten die Kardener Gläubigen am 1. Fastensonntag, dem 17. Februar 2013, den Castor-Tag mit einem Festhochamt in der Kirche und einer Zeit der Begegnung im Pfarrheim.

Am 06.06.1949 wurde Franz Brühl als Pastor in Karden eingeführt.

Er hatte einen Blick für die kunstgeschichtliche Bedeutung der Stiftskirche, sah aber auch die Kriegsschäden, die nicht passenden Veränderungen der Neugotik und den trüb-grauen Innenraum. Er setzte alles daran, der Castor Kirche ihre alte Schönheit wiederzugeben, und er schaffte es!

Um den Bau zu retten, mussten die Fundamente mit Betonsockeln unterfangen und gesichert werden.

Unter der ganzen Kirche wurden starke Eisenträger eingezogen, die an den Stützpfeilern verankert wurden. Sie gaben dem Bau den notwendigen Halt.

Zuerst aber musste die Kirche ausgeräumt, die Altäre abgebaut und der Boden aufgerissen werden. Ein trostloser Anblick!


Aber es wurden auch sehr interessante Entdeckungen gemacht. Hinter dem Sakramentshäuschen kam ein schwarz-braun gemalter Engel zum Vorschein, der leider durch das Sakramentshaus wieder verdeckt wurde.

Auf den nachfolgenden Bildern ist festgehalten, wie der Hochaltar aus Terrakotta, der die Anbetung der Heiligen Drei Könige darstellt, Stück für Stück abgebaut wurde. Er war aus vielen einzeln gebrannten Stücken zusammengesetzt.

Am 25. Juli 1954 - nach nur drei Monaten Arbeit in der Kirche - dankten die Gemeinde und die Verantwortlichen in einer Festandacht für die gelungene Wiederherstellung.

Der Innenraum erhielt die ursprüngliche Farbgebung des 13. Jahrhunderts. Die bei der Instandsetzung entdeckten gotischen Fresken, die Restaurierung der Altäre und Bilder erfreuen den Betrachter noch heute.

Und dann kam die Moselkanalisation (1958–1964). Die Erhöhung des Wasserspiegels der Mosel führte zu Boden- und Fundamentveränderungen unter der Kirche. Im Inneren zeigte das Mauerwerk bald zahlreiche Risse und Sprünge, die immer größer wurden.

Auf dem rechten Bild sieht man die innere Eisenkonstruktion der tongebrannten Teile.

Die romanische Mensa - heute Zelebrationsaltar - war in der Gotik wegen des Dreikönigschreins nach beiden Seiten verbreitert worden. Dieser Anbau wurde jetzt wieder beseitigt. Nach dem Vorbild der farbig erhaltenen Säule rechts bekam die romanische Mensa ihr neues „altes“ Aussehen.

Als man die Vorderseite der romanischen Mensa aufbrach, entdeckte man genau in der Mitte das Reliquiengrab in einer großen viereckigen Kammer. In dieser Kammer lag eine Bleikapsel.

Darin befand sich das Siegel des Weihbischofs Daniel von Wichterich, aus dem Orden der Karmeliter. Er hatte im Auftrag des Erzbischofs Balduin von Luxemburg den Altar 1321 geweiht.


Neben der Weiheurkunde fand man in der Kammer auch Reliquien.

Weblänge 14x12x28 cm. Katalog Glanz und Größe des Mittelalters S.412

Das aus bunten Seidenfäden gewebte und gut erhaltene Reliquiensäckchen befindet sich heute im Stiftsmuseum und war in der Ausstellung „Glanz und Größe des Mittelalters“ vom 04.11.11 bis 26.02.12 im Museum Schnütgen in Köln zu sehen, da es dort gefertigt worden war.

„Gerüstwald in der Kirche“

Arbeiten im Kreuzgang

Abraumhalde vor der Kirche

Im Juli 1965 fanden die Arbeiter im Chor zwischen dem Sakramentshaus und der kleinen Tür zum Nordturm, also dort, wo heute der Drei-Sitz steht, das Grab Heinrichs von Bolanden. Unter einer großen Grabplatte entdeckte man Reste eines Holzsarges und die Gebeine des großen Archidiakons. Sein Skelett war über 2 m groß.

Heinrich von Bolanden +1286

Die große Schieferplatte war schon abgetreten. An einer Seite war zu lesen:

DE BOLANDIA PIE MEMORIE I ECCLESIA.


Auf Wunsch von Herrn Dr. Winfried Willicks zeichnete Herr Bernd Arnold aus Karden diesen Rekonstruktionsversuch der Grabplatte des Heinrich von Bolanden.


Franz Brühl schreibt in der Chronik II: „Am 21.08.69 habe ich diese Gebeine in einem kleinen Sarg hinter der alten Schieferplatte in der Krypta beigesetzt.“ Auf der Schieferplatte befindet sich ein Metallwappen derer von Bolanden.


Aus dem Jahrbuch Kreis Cochem-Zell 2003 S. 159.

(Herr Arnold erlaubte uns, die Zeichnung zu nutzen.)

Heinrich von Bolanden war Archidiakon des Erzbistums Trier und der wohl bedeutendste Probst des Kardener Stifts. Ihm haben wir die Vollendung der St. Castor Kirche zu verdanken, denn er ließ das Langhaus und die Seitenschiffe im frühgotischen Stil erbauen. Er gab damit der Stiftskirche das Aussehen, das wir heute kennen und bewundern. 1295 war der Bau vollendet. Das erlebte er nicht mehr.

Ab Mai 1966 führte das Amt für Vor- und Frühgeschichte, Koblenz Ehrenbreitstein, unter Leitung von Dr. Eiden Grabungen im Bereich der Kirche durch. Man fand die Vorgängerkirche, fränkische Gräber und einen römischen Keller. Die Apsis dieser Kirche (8./9. Jahrhundert) ist in der Krypta zu sehen

Die bei den Grabungen gefundenen Schuhreste konnten vom Deutschen Ledermuseum in Offenbach zum Teil wieder zu „richtigen Stiftsherrenschuhen“ zusammengenäht werden.

Ein Paar Schuhe ist im Stiftsmuseum zu bewundern.

Pastor Brühl schreibt auf Seite 48 der Chronik II:


„Heute (18. X. 68) haben wir alle bei den Ausgrabungen in der Kirche gefundenen Gebeine der Stiftsherren unter der Castorkapelle in einem eigens geschaffenen Hohlraum zwischen Fundament und Boden wie in einem Beinhaus begraben bzw. beigesetzt.“

Die sinngemäße Übersetzung des Textes lautet:


SEHET DIE AUSGEGRBENEN GEBEINE DER KANONIKER DER STIFTSKIRCHE

LIEGEN DORT IN FRIEDE UND FÜR IMMER VEREINT.

Unter dem Heiligen Grab fand man einen Meter tief im Boden ein Grab mit einem Ritter, genau in der Länge der Grablegung.


Sein Schwert, das von der Hand bis zum Fuß reichte, war 1,20 m lang.


Von ihm selbst fand man nur ein Stück der Schädeldecke, Reste des Lederhelmes und Stücke seines Sarges.

Funde fränkischer Gräber, Mauerreste aus römischer Zeit, sowie bislang unbekannte Räume.

Bau der neuen Treppe zur Michaelskapelle (aus Namedy/Rhein)

Neu eingezogene Heizungsmauer

Man nimmt an, dass der Reliquienbeutel neu war, als er in das Sepulcrum des Hochaltars eingelegt wurde. Dafür spricht die noch heute kräftige Färbung des Seidengewebes.

1970 wurde hinter der Orgel die Michaelskapelle wieder hergerichtet. Eine Wendeltreppe - sie stammt aus der Kirche in Namedy/Rhein - führt über 21 Basaltstufen in das 1. Geschoss des Glockenturms. Seine Atmosphäre verdankt der Raum der Balkendecke und der Altarnische aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Zunächst wurde vor der Vierung eine Bretterwand errichtet und vor dem linken Pfeiler ein Not-Altar aufgestellt, der samstags auf- und sonntags nach dem Hochamt wieder abgebaut wurde. Samstag für Samstag wuschen Frauen die Bänke ab und säuberten das Schiff mit viel Liebe und Einsatzbereitschaft so gut es ging. Dafür gebührt ihnen noch heute unser Dank.

Foto: Nick, Treis 06.10.66

Später wurde die Notkirche im neuen Jugendsaal (heute Pfarrheim) eingerichtet. Hier fanden die Werktagsmessen und alle Andachten statt. Im Winter wurden hier sonntags vier Messen gelesen. Eine übernahm Engelport. Da es damals selbstverständlich war den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, konnten so etwa 400 Gläubige die hl. Messe mitfeiern.

Am 25. Dezember 1970 feierte die Pfarrgemeinde mit der Mette um 06:00 Uhr die erste hl. Messe im St. Castor Dom. „Die Freude ist groß und die Kirche wunderschön. Aber es fehlt noch viel.“ Pastor Brühl in der Chronik (S. 81).

Nachdem die Fundamente gesichert waren, wurde die Kirche eingerüstet, um das Mauerwerk zu verputzen. Danach bekamen die Wände wieder die Ausmalung und Farbgebung aus der Zeit der Erbauung. Nun endlich kamen nach und nach die restaurierten Kunstschätze wieder an ihre alten Plätze zurück.

Nach Abschluss der Sicherungsarbeiten sollte die Orgel auch wieder ihre alte Schönheit erhalten.


Das heißt, der originale Zustand des historischen Stumm’schen Orgelwerkes sollte wieder hergestellt werden. Das übernahm Orgelbaumeister Johannes Klais, Bonn.


Auch das Orgelgehäuse wurde restauriert. Die Blumengirlande aus geschnitzten Früchten, Blüten und Blättern gefällt dem Betrachter.


In Chronik II schreibt Pastor Brühl auf Seite 87:

„Heute, 18. III. 1973 wurde unsere alte-neue Orgel eingeweiht. Dechant Billen segnete die Orgel, Diöz. Konservator Ronig hielt die Predigt und Domorganist Wolfgang Oehms spielte. Es war ein festlicher Tag.


Viele, die mithalfen bei der Renovation der Kirche und der Orgel waren eingeladen.“

1967 drohte die ganze Rettungsaktion, die etwa zur Hälfte vollendet war, an den Kosten zu scheitern. Das Bistum Trier hatte 1,5 Millionen DM vorgestreckt und erwartete das Geld zurück erstattet zu bekommen. Aber danach sah es nicht aus. Es gab einige sehr unterschiedliche Gutachten. In einem war die Erhöhung des Wasserstandes der Mosel Grund für die Gefährdung des Domes. In einem anderen hieß es, dass zwei Lindenbäume und die Eiben nördlich der Kirche dem Boden ungleichmäßig Wasser entzögen. Für Dechant Brühl zum Verzweifeln. Die Sicherung der Fundamente musste fortgesetzt werden. Aber woher sollte das Geld kommen? Weder Karden, noch das Bistum, noch der Landeskonservator in Mainz konnten zur Finanzierung beitragen. Aber Dechant Brühl gab nicht auf. Er schrieb Bittbriefe an den Bundespräsidenten Lübke, an Bundeskanzler Adenauer, an den Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz Peter Altmeier und und und ……

Namhafte Persönlichkeiten baten eindringlich um Hilfe. Große Zeitungen beschrieben in ihren Artikeln die Gefährdung der Kirche. Schließlich konnte aufgeatmet werden. Die Baukosten von 5 Millionen DM wurden von allen, die an der Moselkanalisierung beteiligt waren, übernommen.

Franz Brühl, seit 1956 Dechant, hatte mit seinem unermüdlichen Einsatz die ehemalige Stiftskirche vor dem Verfall bewahrt. Er wurde zum Retter des „Kardener Domes“. Dafür gebührt ihm der Dank der Kardener und der vielen Gäste aus aller Welt, die Jahr für Jahr die ehemalige Stiftskirche St. Castor besuchen.

Aus der Liste der Pfarrer an St. Castor in Karden:

Franz Brühl

• Geboren am 29.01.1907 in Münstermaifeld

• Geweiht am 26.07.1931 in Trier

• Kaplan in Sulzbach und Ottweiler

• 1940 Pfarrer in Steffelen

• 1949 – 1973 Pfarrer in Karden

• Ab 1956 Dechant

Seit 1973 lebte er im Ruhestand in Manderscheid, zuletzt im Altenheim St. Josef in Kaisersesch. Dort verstarb er am 28.12.1990. Auf seinen Wunsch wurde er in Steffelen, seiner ersten Pfarrstelle, beigesetzt.

Dechant Rodermann ließ zur Erinnerung an Pastor Franz Brühl am Eingang zur Taufkapelle auf der linken Seite dieses Medaillon aus Schiefer anbringen.

Ps. 69, 10a: Denn der Eifer für dein Haus verzehrt mich.

Der Psalm-Vers trifft auf Franz Brühl zu.


© Marlies Michels

Fotos: Aus den Kardener Kirchenchroniken; Foto-Haus Nick, Treis; Paul Boosfeld

Quellen:  Franz Brühl: Kardener Kirchenchronik Band I und II, 800 Jahre Stiftskirche St. Castor, Karden; Jahrbuch Kreis Cochem-Zell 2003; Zimmermann, Karl Jos.: Von Häckedetz unn Stiftsherre Band 3, S. 55 „Oft lagen Schatten über dem „Kardener Dom“,und  Band 4, S. 111 „Heinrich v. Bolanden Vollender des Kardener Doms“

Wie sah es während der Baumaßnahmen mit den Gottesdiensten aus?

Renovierung des St. Castor Doms

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